Feigenbäume überwintern:
Süße Früchte trotz Frost
Der Klimawandel begünstigt exotische Pflanzen auch im Norden: Die Echte Feige (Ficus carica) reift mittlerweile nicht mehr nur in Italien, sondern auch in vielen deutschen Gärten. Doch Vorsicht: Ein strenger "Russen-Winter" oder Spätfröste können den Traum schnell beenden. Wir zeigen dir ausführlich, wie du deinen Feigenbaum winterfest machst – egal ob ausgepflanzt im Beet oder im Kübel auf dem Balkon.

In diesem Artikel:
Wann muss ich den Feigenbaum einpacken?
Viele Hobbygärtner machen den Fehler, ihre Feigen viel zu früh einzupacken. Aber: Ein bisschen Kälte härtet ab!
- Leichte Nachtfröste (bis -5°C): Kein Problem für die meisten Feigen. Das hilft der Pflanze sogar, in die Winterruhe zu gehen und die Blätter abzuwerfen.
- Dauerfrost angekündigt: Sobald die Wettervorhersage dauerhafte Minusgrade oder Temperaturen unter -5°C bis -8°C ankündigt, solltest du handeln.
- Der späte Herbst: Meistens ist November oder Dezember der richtige Zeitpunkt, um den Feigenbaum winterfest zu machen.
Wie kälteempfindlich sind Feigen wirklich?
Wie gut dein Feigenbaum überwintern kann, hängt extrem vom Alter und der Sorte ab. Hier eine grobe Orientierung:
Feigen im Garten überwintern (Freiland)
Ist dein Feigenbaum im Garten ausgepflanzt, kannst du ihn nicht einfach reinholen. Hier ist der effektivste Schutz-Plan:
1. Die Basis schützen (Wurzelschutz)
Feigen sind Flachwurzler. Wenn der Boden tief durchfriert, leidet die Wasserversorgung.
👉 Anhäufeln: Häufele den Stammfuß ca. 20-30 cm hoch mit Erde, Laub, Tannenzweigen oder Kompost an. Das schützt die empfindliche Veredelungsstelle und die Basis.
Der Vorteil: Selbst wenn der Baum oben komplett zurückfriert, treibt er aus dieser geschützten Basis im Frühjahr sicher wieder neu aus.
2. Die Krone einpacken
Bei jungen Bäumen oder in sehr kalten Regionen (z.B. Bayern, Ostdeutschland) ist ein Kronenschutz pflicht:
👉 Binde die Äste vorsichtig mit einem weichen Seil zusammen, um das Volumen zu verringern.
👉 Umwickle den Baum mit Wintervlies, Schilfmatten oder Jute.
⚠️ Achtung: Niemals luftdichte Folie verwenden! Darunter entsteht Kondenswasser, der Baum schimmelt oder treibt bei den ersten Sonnenstrahlen viel zu früh aus, was ihn anfällig für Spätfröste macht.
Feigenbaum im Topf überwintern
Kübelpflanzen sind das Sorgenkind im Winter. Warum? Weil der Frost von allen Seiten in den Topf kriecht und den Wurzelballen ratzfatz durchfriert. Ist der Ballen gefroren, vertrocknet die Pflanze (Frosttrocknis).
Option A: Kalthaus (Ideal)
Der sicherste Ort für deine Feige im Topf ist ein frostfreies, kühles Quartier.
✅ Ort: Garage, ungeheizter Keller, Gartenhaus, kühler Wintergarten.
✅ Temperatur: Optimal sind 0°C bis 10°C. Nicht wärmer!
✅ Licht: Da die Feige ihre Blätter abwirft, darf das Winterquartier dunkel sein (z.B. eine fensterlose Garage). Das ist ein großer Vorteil gegenüber anderen mediterranen Pflanzen wie Zitrusbäumen.
Option B: Draußen überwintern (Risiko)
Nur in milden Weinbau-Regionen oder auf sehr geschützten Balkonen/Terrassen zu empfehlen.
⚠️ Isolierung ist alles: Stelle den Topf auf Styropor oder Holzfüße (Kältebrücke unterbrechen).
⚠️ Einpacken: Umwickle den Topf dick mit Noppenfolie, Kokosmatten oder Jute. Die Folie nur für den Topf, nicht für die Pflanze!
⚠️ Standort: Direkt an die wärmende Hauswand rücken, geschützt vor Ostwind.
Bitte nicht ins Wohnzimmer!
"Kann ich den Feigenbaum im Wohnzimmer überwintern?" – Besser nicht. Es ist dort viel zu warm und zu trocken. Die Feige braucht die kühle Winterruhe, um im nächsten Jahr Früchte zu tragen. Im warmen Zimmer treibt sie vergeilte, schwache Triebe (Geiltriebe) und wird anfällig für Spinnmilben und Schildläuse.
Pflege im Winterquartier
Auch im Winter braucht dein Feigenbaum ein Minimum an Aufmerksamkeit, damit er im Frühjahr gesund durchstartet.
- Gießen: Ein häufiger Fehler ist das komplette Austrocknenlassen. Die Erde darf nicht staubtrocken sein. Gib der Feige alle paar Wochen (je nach Temperatur) einen kleinen Schluck Wasser – gerade so viel, dass die Wurzeln nicht vertrocknen. Bei Feigen im Freiland reicht meist die natürliche Feuchtigkeit.
- Düngen: Im Winter wird nicht gedüngt. Die Pflanze schläft.
- Kontrolle: Schau im Winterquartier gelegentlich nach Schädlingen oder Schimmel, aber meistens sind blattlose Feigen sehr pflegeleicht.
Wann darf die Feige wieder raus?
Sobald die Temperaturen im Frühjahr (März/April) wieder steigen, juckt es im grünen Daumen.
1. Langsam gewöhnen
Wenn du die Feige aus dem dunklen Keller holst, stelle sie erst tageweise in den Halbschatten. Die jungen Triebe und Blätter sind extrem sonnenbrandgefährdet! Nicht direkt in die pralle Mittagssonne.
2. Vorsicht bei Spätfrösten
Auch wenn es im April schon warm ist – die Eisheiligen können noch Frost bringen. Wenn die Feige schon ausgetrieben hat, sind die frischen grünen Blätter sehr frostempfindlich. Decke sie bei Frostwarnung nachts mit einem Vlies ab.
Häufige Fragen & Probleme (FAQ)
Hilfe, meine Feige sieht tot aus!
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Im Frühjahr sehen Feigen oft aus wie trockenes Totholz. Keine Panik!
1. Kratztest: Kratze vorsichtig mit dem Fingernagel an der Rinde eines Zweiges. Ist es darunter noch saftig grün? Dann lebt sie!
2. Geduld: Feigen treiben oft sehr spät aus (manchmal erst Mai/Juni). Gib ihr Zeit.
3. Erfroren? Schneide die offensichtlich toten, trockenen Äste zurück bis ins gesunde Holz. Meistens kommt aus der geschützten Wurzelbasis ("aus dem Nichts") ein neuer, kräftiger Trieb geschossen. Feigen sind wahre Überlebenskünstler!
Mein Feigenbaum hat vor dem Winter noch unreife Früchte, was tun?
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Es gibt bei Feigen verschiedene Fruchtgenerationen. Die kleinen, harten Feigen, die im Herbst noch am Baum hängen, nennt man oft "Breba" oder Winterfeigen (je nach Sorte).
In sehr milden Regionen können diese erbsengroßen Früchte am Baum überwintern und reifen im nächsten Frühsommer. In kälteren deutschen Regionen frieren sie jedoch meist ab und fallen ab. Du kannst sie hängen lassen – wenn sie abfrieren, fallen sie von alleine runter. Große, aber unreife Früchte werden im Winterquartier nicht mehr reif; diese kannst du entfernen, um der Pflanze Kraft zu sparen.
Muss ich die Feige im Herbst schneiden?
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Besser nicht. Ein starker Rückschnitt im Herbst erhöht die Gefahr, dass der Frost tief in die offenen Wunden eindringt. Schneide deinen Feigenbaum lieber im Frühjahr (Februar/März), bevor der Austrieb beginnt. Dann siehst du auch genau, welche Äste den Winter eventuell nicht überlebt haben.
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